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Guntmar Wolff

Journalist

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Von Leoparden, Löwen und tansanischer Hilfsbereitschaft

veröffentlicht am 19. Juli 2022 by Guntmar Wolff

In der Nacht, die wir in der Seren­ge­ti im Zelt ver­brin­gen, wache ich immer wie­der auf, so laut und durch­drin­gend ist das Brül­len der Löwen. Aban­te, der Mas­sai, der unser Zelt bewacht, erklärt mir, dass man anhand der Ruf hören kön­ne, dass es sich um ein Löwen­männ­chen und um ein ‑weib­chen gehan­delt habe. Von der Laut­stär­ke des Brül­lens hat­te ich gedacht, dass die bei­den direkt vor unse­rem Zelt gestan­den hat­ten. In mei­nen Gedan­ken hat­te ich mir des Nachts schon aus­ge­malt, was pas­sie­ren wür­de, wenn ich das Flie­gen­git­ter auf­ge­macht hät­te. Die bei­den waren aber wohl, so erzählt es mir Aban­te, knapp 150 Meter ent­fernt gewe­sen — trotz­dem kei­ne beru­hi­gen­de Vor­stel­lung.

Ash­ley hat die Gabe, sich schnell mit jedem anzu­freun­den. Und wir wer­den auch herz­lich über­all auf­ge­nom­men.

Nach einem aus­gie­bi­gen Früh­stück — Ash­ley hat ihre Lie­be zu Pfann­ku­chen am Mor­gen ent­deckt, machen wir uns auf den Weg, natür­lich nicht ohne noch ein Erin­ne­rungs­fo­to mit Aban­te zu machen. Isai­ah unter­sucht noch ein­mal die Rei­fen, und dann geht es los.

Nur weni­ge Minu­ten, nach­dem wir los­ge­fah­ren sind, kom­men wir zu einem Fluss­bett, an dem gestern die Löwen ihr Nacht­mahl ver­zehrt haben. Jetzt erin­nert nichts mehr an den töd­li­chen Kampf, der sich hier abge­spielt haben muss, statt­des­sen genie­ßen zahl­rei­che Fluss­pfer­de die Stil­le.

Auf­merk­sam ver­fol­gen die Löwen jede unse­rer Bewe­gun­gen.

Eines von ihnen hat­te es sich am Land bequem gemacht und ver­sucht nun vor­sich­tig und ele­gant, soweit das bei Fluss­pfer­den mög­lich ist, zurück ins Was­ser zu kom­men. Ich zücke mei­nen Foto­ap­pa­rat und hal­te drauf. Ganz langsm bewegt sich das Fluss­pferd den klei­nen, stei­len Abhang hin­un­ter, bis es sein ton­nen­schwe­res Gewicht (Bul­len kön­nen bis knapp zwei Ton­nen wie­gen) in den Tüm­pel glei­ten lässt.

Auf unse­rer Fahrt durch die Seren­ge­ti begeg­nen wir Giraf­fen, immer wie­der Zebras und Ele­fan­ten. Plötz­lich muss Isai­ah abrupt abbrem­sen. Eine gan­ze Grup­pe von Pavia­nen ver­sperrt unse­ren Weg — dar­un­ter etli­che Pavian­kin­der, die noch auf dem Rücken ihrer Müt­ter getra­gen wer­den. Inner­halb von Sekun­den wird klar, wer der Boss der Her­de ist. Mäch­tig, gelas­sen und stolz geht er sei­nen Weg.

Ein Leo­pard hat es sich im Baum gemüt­lich gemacht.

Wäh­rend wir wei­ter durch aus­ge­trock­ne­te Seren­ge­ti fah­ren, hel­fen uns die Augen Isai­ahs ein wei­te­res Mal wei­ter. Wäh­rend Ash­ley und ich die Step­pe und die ein­zel­nen Bäu­me bewun­dern, deu­tet Isai­ah auf einen von ihnen und fragt uns: «Na, was seht ihr?» Wäh­rend Ash­ley ihr Fern­rohr aus­packt, schnap­pe ich mir mei­ne Kame­ra und rich­te die­se auf den Baum. Dort liegt, völ­lig unbe­ein­druckt und wahr­schein­lich sogar schla­fend, knapp 100 Meter vor uns ein Leo­pard im Geäst und lässt alle vier Bei­ne vom Ast, auf dem er liegt run­ter hän­gen. «Das ist abhän­gen in Tan­sa­nia», kom­men­tiert Isai­ah den Anblick schmun­zelnd.

Bis um die Mit­tags­zeit fah­ren wir wei­ter durch die Seren­ge­ti und sind noch nicht ein­mal in der Mit­te die­ser unglaub­lich wei­ten Flä­che ange­kom­men, als unser Gui­de uns andeu­tet, dass wir uns nun auf den Rück­weg machen müs­sen, da wir am näch­sten Mor­gen bereits im Kra­ter sein wol­len. Unser Hotel liegt nur weni­ge Minu­ten außer­halb des Kra­ters, der das Herz­stück des Ngo­ron­go­ro Parks bil­det, der wie­der im süd­li­chen Teil an die Seren­ge­ti angrenzt.

Sechs Stun­den zurück über die Ruckel­pi­ste, ver­lan­gen nicht nur unse­ren Mägen, son­dern auch dem Auto eini­ges ab. Denn nach­dem es gestern bereits einen Plat­ten hat­te, rat­tert heu­te das Getrie­be in einem beun­ru­hi­gen­den Aus­ma­ße. Nach einem kur­zen Zwi­schen­stopp gibt sich Isai­ah zuver­sicht­lich, dass wir es bis zum Hotel schaf­fen und er soll­te fast recht behal­ten. 15 Minu­ten vor Ankunft wird das Geräusch plätz­lich so laut, dass Ash­ley und ich Angst haben, dass gleich alles aus­ein­an­der­fällt.

Isai­ah fährt not­ge­drun­gen an die lin­ke Stra­ßen­sei­te (in Tan­sa­nia herrscht Links­ver­kehr). Und hier macht sich wie­der die tan­sa­ni­sche Hilfs­be­reit­schaft bemerk­bar. Es dau­ert kei­ne zehn Sekun­den, da haben sich bereits meh­re­re Per­so­nen um den Wagen ver­sam­melt, machen die Motor­hau­be auf und wol­len den Feh­ler behe­ben. Einer der Män­ner erklärt Isai­ah, er sol­le 100 Meter zurück­fah­ren, dort habe er eine Auto­werk­statt. Die­ser tut, wie ihm gehei­ßen, und unter lau­tem Schep­pern errei­chen wir die Werk­statt. Die­se besteht aus einem klei­nen Platz auf san­di­gem Boden, in des­sen Mit­te ein drei Meter lan­ges, läng­li­ches  Loch klafft — anstel­le einer Hebe­büh­ne. Isai­ah plat­ziert sein Auto direkt dar­über und die Mecha­ni­ker stei­gen in die Gru­be hin­ab.

Wäh­rend­des­sen macht uns Isai­ah deut­lich, dass es län­ger dau­ern könn­te und er uns ins Hotel zurück­brin­gen will. Wie selbst­ver­ständ­lich kommt einer der Mecha­ni­ker mit einem Bul­li an und deu­tet uns an, ein­zu­stei­gen. «Wir hel­fen uns gegen­sei­tig», erklärt er lächelnd in gebro­che­nem Eng­lisch. Kei­ne zehn MInu­ten spä­ter sind wir im Hotel ange­kom­men.

Wir kön­nen an die­ser Stel­le noch nicht wis­sen, dass der Abend für Isai­ah noch lan­ge nicht been­det sein wird und er sogar noch um Mit­ter­nacht in eine ande­re Stadt fah­ren muss und zu guter Letzt noch nicht ein­mal mehr ein Hotel­zim­mer bekommt; all das wer­den wir erst am näch­sten Mor­gen erfah­ren.

Category: Tansania

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  1. Heidi Peter zu Der Abschied: Von Kratern, Hyänen und zukünftigen Plänen22. Juli 2022

    Danke für die tollen Reiseberichte, alles Gute für euch lg heidi

  2. Bernd Bökenkamp zu Der Abschied: Von Kratern, Hyänen und zukünftigen Plänen21. Juli 2022

    Hallo ihr beiden. Ich hoffe ihr hattet eine wunderschöne Zeit und herliche Eindrücke. Danke auch für euren Reisebericht. Nun wünsche…

  3. Heidi Wulf zu Safari: Serengeti — Eine Übernachtung zwischen Raubtieren19. Juli 2022

    Absolut spannend, was ihr erlebt. Die Eindrücke werden euch noch Wochen und Monate begleiten. Da wird es dauern, bis man…

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