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Guntmar Wolff

Journalist

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Der Abschied: Von Kratern, Hyänen und zukünftigen Plänen

veröffentlicht am 21. Juli 202217. Februar 2025 by Guntmar Wolff

Der letz­te Tag unse­rer Safa­ri ist ange­bro­chen und damit endet auch unse­re Rei­se — vor­erst; denn, und dar­auf freu­en Ash­ley und ich uns schon jetzt, in 50 Wochen sind wir wie­der hier. Aber von Anfang an.

Was uns immer wie­der bedrückt und beein­druckt, ist der deut­li­che Unter­schied zwi­schen Arm und Reich. Die Nacht nach unse­rer Fahrt in die Seren­ge­ti, über­nach­ten wir in einem nahe gele­ge­nen Hotel, das auch nach deut­schen Stan­dards locker in eine obe­re Ster­ne­ka­te­go­rie passt. Um dahin zu kom­men, fah­ren wir an Well­blech- und Lehm­hüt­ten vor­bei, die unbe­fe­stig­te Stra­ße macht unse­rem, mitt­ler­wei­le repa­rier­ten Wagen, wei­ter zu schaf­fen. Als wir auf dem Hof des Hotels ankom­men, lau­fen uns direkt drei Bedien­ste­te ent­ge­gen. Wäh­rend die erste uns einen köst­li­chen Hibis­kus-Ing­wer­tee reicht, hält uns die zwei­te feuch­te Wasch­lap­pen hin, und die drit­te Per­son nimmt unser Gepäck ent­ge­gen.

Ein schö­nes Bett, mit Schutz vor Mos­ki­tos.

Ash­ley und ich freu­en uns über den Ser­vice, sind wir doch reich­lich geschafft. Nach einer ange­neh­men Nacht, in einem vom Mos­ki­to­netz umge­be­nen Bett, geht es früh am kom­men­den Mor­gen, denn auch Isai­ah hat jetzt gut geschla­fen, in den nahe­ge­le­ge­nen Kra­ter des Ngo­ron­go­ro Parks los. Die­ser ist ein Ein­bruch­kra­ter am Ran­de der Seren­ge­ti. Er ent­stand, als an die­ser Stel­le ein Vul­kan­berg in sich zusam­men­brach. Der Kra­ter­bo­den liegt auf etwa 1700 Metern und die Sei­ten­wän­de sind zwi­schen 400 und 600 Meter hoch, so dass die Kra­ter­kan­te auf etwa 2300 Meter über dem Mee­res­spie­gel liegt. Der Durch­mes­ser des Kra­ters beträgt zwi­schen 17 und 21 Kilo­me­ter. Ins­ge­samt hat der Kra­ter eine Flä­che von 26.400 Hekt­ar.

Die Land­schaft ist ein­fach fas­zi­nie­rend.

Vom Kra­ter­rand aus bewun­dern wir die Land­schaft und bege­ben uns dann mit unse­rem Jeep dort hin­ein. Auf dem Weg ent­wickelt sich zwi­schen Isai­ah und mir ein Gespräch, das mich sehr nach­denk­lich zurück­lässt. Er berich­tet von sei­ner Kind­heit, sei­ner Schul­bil­dung und dass er sei­ner jetzt drei­jäh­ri­gen Toch­ter alles

Vie­le Adler sind unter­wegs und kom­men nah an die Men­schen her­an.

ermög­li­chen wol­le. Wir spre­chen über das Schul­sy­stem in Tan­sa­nia und auch über den Unwil­len vie­ler Eltern, ihre Kin­der zu unter­stüt­zen, allei­ne aus dem nicht vor­han­de­nen Bewusst­sein her­aus, dass Schul­bil­dung einen Vor­teil für die­se hat.

Büf­fel gehö­ren zu den «Big 5», die sehr aggre­siv sein kön­nen.

Als wir auf dem Grund des Kra­ters ange­kom­men sind, ste­hen zuerst ein­mal die Tie­re im Vor­der­grund. Neben Zebras, einem Kari­bustorch, Adlern, Büf­feln, Hyä­nen und Löwen, fas­zi­niert Ash­ley und mich wie­der beson­ders die­se unglaub­li­che Land­schaft. Isai­ah berich­tet uns, dass die Tier­her­den von hier bis ans hin­te­re Ende der Seren­ge­ti wan­dern, ein Kraft­auf­wand, die Kra­ter­wand zu über­win­den und durch die lang­ge­zo­ge­ne Step­pe zu gehen, was jedes Jahr eini­ge Wochen in Anspruch nimmt.

Auch Hyä­nen beglei­ten uns auf unse­rer Tour und beäu­gen uns auf­merk­sam.

Nach­dem wir eine kur­ze Pau­se ein­ge­legt haben, geht es aus dem Kra­ter her­aus und zurück nach Moshi. Auf dem Weg dort­hin bleibt der Wagen wie­der ste­hen und für mich ist das ein will­kom­me­ner Anlass, das vor­he­ri­ge Gespräch mit Isai­ah auf­zu­neh­men.
Denn in der Zwi­schen­zeit hat­ten Ash­ley und ich aus­ge­macht, dass wir jetzt schon ein­mal zwei Pro­jek­te ins Leben rufen wol­len. Also schla­ge ich Isai­ah vor, der im übri­gen kein Trink­geld für die fünf Tage von uns anneh­men woll­te, dass wir ihn und sei­ne Toch­ter mit einem klei­nen monat­li­chen Betrag unter­stüt­zen. Damit ist ihre Schul­bil­dung gesi­chert und sie hat das, was Isai­ah und vie­le ande­ren nicht haben kön­nen.

Als ich ihm unse­ren Vor­schlag unter­brei­te, fängt die­ser an zu wei­nen und nimmt nach eini­gem Zögern unser Ange­bot dank­bar an. Wir freu­en uns, dass wir ein­fach etwas zurück­ge­ben kön­nen. Denn die Herz­lich­keit, die wir hier in den ver­gan­ge­nen Wochen erlebt haben, sucht sei­nes­glei­chen. Trotz aller Armut, die über­all gegen­wär­tig ist, sind die Men­schen hilfs­be­reit und freund­lich.

Der Kra­ter­rand ermög­licht einem einen spek­ta­ku­lä­ren Blick.

Nach­dem unser Wagen wie­der anspringt — ein Mecha­ni­ker, den Isai­ah anruft und der in der Nähe ist, kommt gera­de vor­bei und repa­riert den Wagen im Nu, spre­chen wir über das kom­men­de Jahr. Nach unse­rer Kili­man­dscha­ro­be­stei­gung wird uns Isai­ah zu einem Mas­sai­dorf brin­gen, des­sen Bewoh­ner noch nie Tou­ri­sten gese­hen haben. Mit deren Häupt­ling wer­de ich ein Inter­view füh­ren. Ich möch­te in Erfah­rung brin­gen, was bewegt die Men­schen, die so spar­ta­nisch leben, wel­che Träu­me, wel­che Hoff­nun­gen haben sie?

Damit ver­bin­det sich auch unser zwei­tes Pro­jekt: Gibt es Mög­lich­kei­ten, die Mas­sai als Volks­stamm zu unter­stüt­zen, ihnen Hil­fen zukom­men zu las­sen, die Schul­bil­dung dort vor­an­zu­trei­ben? All das sind Fra­gen, die mich auf der Fahrt beschäf­ti­gen und über die ich mit Isai­ah spre­che. Er stellt in den letz­ten Tagen noch einen Kon­takt zum Schul­mi­ni­ste­ri­um der Regie­rung in Tan­sa­nia her, das ich noch von dort aus anschrei­be. Isai­ah ist sich sicher, dass dort unser Hilfs­an­ge­bot ger­ne ange­nom­men wird und sich eine gute Zusam­men­ar­beit dar­aus ent­wickeln kann. «Deut­sche sind hier immer Freun­de des Lan­des, sie haben viel Gutes für Tan­sa­nia getan, genau­so wie Bern­hard Grzimek», erklärt er uns.

Über­all wur­den wir herz­lich auf­ge­nom­men.

Wir ver­ein­ba­ren, unab­hän­gig vom Kon­takt mit dem Schul­mi­ni­ste­ri­um, nach dem Mas­saibe­such im kom­men­den Jahr noch einen Besuch in einer Schu­le zu pla­nen, die wir am Anfang unse­rer Rei­se erlebt haben und die vor allem Ash­ley sehr beein­druckt hat: Ein Gebäu­de aus Lehm, Holz­ti­sche, ein san­di­ger Boden, mehr nicht. So sehen die Schu­len und deren Schul­hö­fe aus. Da Isai­ah die Rek­to­rin die­ser Schu­le kennt, hat er direkt Kon­takt auf­ge­nom­men. Wir wol­len auch hier die Mög­lich­kei­ten aus­lo­ten, ob und wenn ja, wie wir dort hel­fen kön­nen.

Nach einer letz­ten Nacht im Hotel heißt es nun Abschied neh­men. Micha­el Gud­luck bringt uns zum Flug­ha­fen, nicht ohne vor­her uns noch sei­ne Mut­ter voru­zu­stel­len, die mit ein paar Hüh­nern auf einem Hof mit Blick auf den Kili­man­dscha­ro lebt und uns mit Boh­nen und Reis ein lecke­res Gericht zube­rei­tet hat.

Eine herz­li­che Umar­mung kurz vor dem Roll­feld — das mar­kiert das Ende unse­rer Rei­se. Als unser Flug­zeug abhebt, meint es der Wet­ter­gott gut mit uns und gewährt uns einen wun­der­ba­ren Aus­blick auf den Kili­man­dscha­ro im unter­ge­hen­den Son­nen­licht.

Bei aller Trau­rig­keit über den Abschied, wis­sen wir: In nicht ein­mal einem Jahr kom­men wir wie­der. Nach einer Über­nach­tung auf dem Flug­ha­fen in Nai­ro­bi, lan­den wir am näch­sten Tag sicher in Amster­dam und damit endet die­ser Rei­se­be­richt.

Wir ver­las­sen den afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent.

In den kom­me­nen Tagen wer­den wir die knapp 2500 Bil­der und 165 Vide­os aus­wer­ten, die wir wäh­rend unse­rer Fahrt gemacht haben und an einem Abend allen Inter­es­sier­ten vor­füh­ren.

An die­ser Stel­le wol­len Ash­ley und ich uns herz­lich für Eure zahl­rei­chen Kom­men­ta­re und Gedan­ken bedan­ken, die uns wäh­rend der Rei­se beglei­tet haben. Es war schön, mit Euch die­ser Erfah­rung zu tei­len — bald geht es wei­ter.

 

Category: Tansania

2 thoughts on “Der Abschied: Von Kratern, Hyänen und zukünftigen Plänen”

  1. Bernd Bökenkamp sagt:
    21. Juli 2022 um 16:34 Uhr

    Hal­lo ihr bei­den.
    Ich hof­fe ihr hat­tet eine wun­der­schö­ne Zeit und her­li­che Ein­drücke.
    Dan­ke auch für euren Rei­se­be­richt. Nun wün­sche ich euch einen ruhi­gen
    Heim­flug und ein fröh­li­ches Wie­der­se­hen mit der Fami­lie.
    Bit­te kommt gesund wie­der
    Lie­be Grüs­se euer Bernd

    Antworten
  2. Heidi Peter sagt:
    22. Juli 2022 um 18:20 Uhr

    Dan­ke für die tol­len Rei­se­be­rich­te, alles Gute für euch lg hei­di

    Antworten

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  1. Heidi Peter zu Der Abschied: Von Kratern, Hyänen und zukünftigen Plänen22. Juli 2022

    Danke für die tollen Reiseberichte, alles Gute für euch lg heidi

  2. Bernd Bökenkamp zu Der Abschied: Von Kratern, Hyänen und zukünftigen Plänen21. Juli 2022

    Hallo ihr beiden. Ich hoffe ihr hattet eine wunderschöne Zeit und herliche Eindrücke. Danke auch für euren Reisebericht. Nun wünsche…

  3. Heidi Wulf zu Safari: Serengeti — Eine Übernachtung zwischen Raubtieren19. Juli 2022

    Absolut spannend, was ihr erlebt. Die Eindrücke werden euch noch Wochen und Monate begleiten. Da wird es dauern, bis man…

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