Nach zahlreichen kleinen Wanderungen haben Ashley und ich uns in diesem Jahr vorgenommen, die Alpen zu überqueren. Die Alpenüberquerung E5 führt über den Alpenkamm von Oberstdorf bis nach Meran — wer träumt nicht davon, einmal auf dieser berühmten Route zu wandern. Inzwischen gibt es viele Varianten, mit unserer «Oberstdorf Meran Alpenüberquerung» erfüllst Du Dir jedoch den Traum auf der Originalroute. Beim E5 handelt es sich um einen der Europäischen Fernwanderwege, welcher von der Bretagne bis nach Verona führt. Der alpine Abschnitt von Oberstdorf nach Meran ist jedoch der spektakulärste Teil des Weges und daher den meisten als E5 bekannt. #
Täglich ändert sich die Umgebung. Wir starten bei den Steilgraswiesen des Allgäus und des Lechtals und schon wenig später muten die hohen vergletscherten Dreitausender der Ötztaler Alpen ganz anders an. Am Dialekt der Südtiroler erkennen wir auf einmal in einer ganz neuen Region zu sein und am Ende begeistert uns der südländische Flair Merans. Einen ausführlichen Bericht über die einzelnen Abschnitte gibt es demnächst.
Ungeübtere Wanderer können die sechs Etappen jedoch auch in sieben oder acht Tage aufteilen, dann ist die Wanderung wesentlich entspannter.
Tag 1: Oberstdorf – Kemptner Hütte in Oberstdorf
Tag 2: Kemptner Hütte – Memminger Hütte in Madau
Tag 3: Memminger Hütte – Skihütte Zams in Zams
Tag 4: Skihütte Zams – Braunschweiger Hütte in Wenns
Tag 5: Braunschweiger Hütte – Martin-Busch Hütte in Vent
Tag 6: Martin-Busch-Hütte — Vernagt Stausee & Meran
In Zams gibt es verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten und viele Wanderer bleiben auch im Tal. Denn von dort aus kann man die Tour auch abkürzen. Der Aufstieg (oder die Fahrt mit der Gondel) hoch zu Skihütte Zams ist jedoch sehr lohnenswert. Sie ist als einzige der von uns gewählten Hütten zwar keine DAV Hütte und mit 54 Euro pro Nacht etwas teurer, bietet jedoch einige Vorteile: Es gibt 4er und 6er Zimmer mit eigenem Bad, die wesentlich komfortabler als alle anderen Hütten sind. Zudem gibt es einen Wäscheservice: einfach bei Ankunft seine Wäsche abgeben und sie wird bis ca. 21 Uhr gewaschen und getrocknet. Und es gibt ein sehr günstiges Abendessen: für gerade mal 7 Euro gibt es eine Suppe, eine Hauptspeise, sowie Salat. Allerdings kann man sich die Gerichte nicht aussuchen, als wir dort waren gab es Frittatensuppe und Käsespätzle – wer mag das nicht?! Und last but not least, stehen ein paar Liegestühle mit herrlichem Ausblick auf das Tal bereit.
Kurz nachdem man den höchsten Punkt der 6. Etappe überquert hat, die Similaunhütte, kann man schon den türkisen Vernagt Stausee erblicken. Von da an bieten sich während des gesamten weiteren Abstiegs immer wieder herrliche Blicke auf den See.
Wie weiter oben bereits erwähnt, kann man den Abschnitt von Oberstdorf nach Meran auch in sieben oder acht Tagen laufen, dann ist die Alpenüberquerung wesentlich entspannter und ein Tag gleicht ungefähr einer mittelschweren Bergwanderung. Die Alpenüberquerung in sechs Tagen fühlt sich dagegen wie 1,5 oder 2 Bergwanderungen pro Tag an. Folgendermaßen können die Etappen entzerrt und auf zwei Tage aufgeteilt werden:
Man kann die Etappe 5 in 2 Tage aufteilen. Und zwar wandert man trotzdem einen beträchtlichen Teil dieser Etappe, und zwar bis Vent. Bleibt dann jedoch im Tal in Vent und macht die 1,5 Stunden Forststraße zur Martin-Busch-Hütte am nächsten Tag. Die 1,5 Stunden mögen nicht mehr lange klingen, waren jedoch für uns eine der zähesten Abschnitte, da die Strecke bis Vent schon sehr fordernd war.
Etappe 6 kann man ebenso aufteilen und zwar wandert man von der Martin-Busch-Hütte nur bis zum höchsten Punkt dieser Etappe, der Similaunhütte, und übernachtet dort auf 3.019 Meter, was zugleich der höchste Punkt der Alpenüberquerung darstellt. Den Abstieg zum Vernagt Stausee nimmt man sich dann am nächsten Tag vor.
Die ersten vier Tage der Alpenüberquerung lassen sich nicht aufteilen. Jedoch kann man diese durch Busfahrten abkürzen. Mehr dazu findest du unter Punkt 7.
2. Wie einfach ist der E5 wirklich?
Auch wenn der E5 von Oberstdorf nach Meran in vielen Blogbeiträgen oft als eine sehr einfache Wanderung gehandelt wird, ist diese nicht zu unterschätzen. Man sollte auf jeden Fall regelmäßig wandern gehen und in den Monaten vorher ein paar 2‑, 3- oder 4‑Tages-Touren gemeistert haben, um den E5 anzutreten. Wer zwar grundsätzlich fit ist, aber nicht erfahren in Bergwanderungen und Wanderungen über 800 Höhenmetern, wird sich auf den E5 schwer tuen. Er ist zwar dann auch machbar, aber wahrscheinlich eher unter Schmerzen, mit Dauermuskelkater und ohne Genuss.
Wer eher ungeübt ist und den E5 trotzdem machen möchte, sollte die Wanderung lieber auf 7 oder 8 Tage aufteilen – wie das geht ist unter Punkt 1) beschrieben.
Als Faustregel kann man sich Folgendes zu Rate ziehen: Die Alpenüberquerung in 6 Tagen fühlt sich so an, als würde man 1,5 bis 2 mittelschwere Bergwanderungen pro Tag machen – dazu muss man schon ein gutes Fitnesslevel haben. Wer die Tour jedoch auf 7 oder 8 Tage streckt, hat, vor allem an den letzten Tagen, eher eine mittelschwere Bergwanderung pro Tag vor sich.
