Der zweite Teil unserer Reise hat begonnen: die Safari. In fünf Tagen werden wir vier verschiedene Nationalparks erleben. Das besondere an diesen: Sie sind nicht eingezäunt. Die dort lebenden Tiere können wandern, wohin sie wollen. Die Nationalparks, die teilweise miteinander verbunden sind, haben eine Ausdehnung, die mein Fassungsvermögen übersteigt. Bis zum Horizont ist nichts als Steppe zu sehen. So werden wir über sechs Stunden durch die Serengeti fahren und sind dabei noch nicht einmal am anderen Ende angekommen, sondern lediglich in der Mitte derselben.
Zwei Tage unserer Tour werden wir in der berühmten Serengeti verbingen und eine Nacht sogar im Zelt inmitten derselben — aber dazu in den nächsten Tagen mehr. Auch werden wir das Land der Massai erleben und mit diesen ins Gespräch kommen.
Am ersten Tag geht es aber zuerst einmal in den Taranguire National Park. Unser Guide Isaiah und Gudluck Michael holen uns mit dem Range Rover ab, der, soviel sei schonmal verraten, am dritten Tag mehrfach in der Serengeti schlapp macht; Ashley und ich haben uns bei allen Dingen, die außer de Reihe passieren, uns angewöhnt zu sagen: «Das gehört einfach dazu.»
Der Ersatzreifen, der standardmäßig mit einer Folie abgedeckt ist, die den Namen des Unternehmens trägt, hat Gudluck Michael mit einer Plane getauscht, auf der Ashleys Gesicht prangt — eine wirklich liebe Geste.
Vier Stunden geht es Richtung Norden, auch hier hatte ich im Vorfeld die Tour nur für Ashley und mich gebucht. Die LAndschaft ändert sich schnell. Während es in Moshi noch alles grfün, wird hier im Norden, näher am Äquator alles brauner und karger.
Nachdem wir am Tor des Taranguire National Park ankommen, steht wie üblich die Registrierung an; dann wird das Verdeck des Landrovers hochgeklappt und los geht es. Nachdem wir das Tor hinter uns gelassen haben, führen immer wieder kleine Wege vom Hauptweg ab. Vorsichtig biegt Isaiah rechts ab, während Ashley und ich links und rechts Ausschau halten. Abrupt bremst unser Guide ab und deutet in der Gebüsch. «Elephants!» flüstert er uns zu. Tatsächlich, nur knapp 15 Meter von uns entfernt, steht eine Elefeantenherde, die sich langsam durch die Steppe bewegt, um zu einem nahegelegenen Fluss zu kommen. Die Dickhäuter lassen sich duerch uns nicht um geringsten stören. Majestätisch sind diese Riesen und mich erfüllt es mit Traurigkeit, dass manche ihrer Verwandten auf der ganzen Welt in Zoos ihr Leben fristen müssen. Das hier ist echte Freiheit.
Nachdem die Elefantenherde ihr Bad genommen hat, zieht sie weiter; und wir auch. Während der nächsten drei Stunden, die wir durch den Park fahren, sehen wir Giraffen, Löwen, Zebras, Affen und vieles mehr. Immer wohl wissend, dass wir hier in deren Bereich sind, ist das Aussteigen lebensgefährlich und darum verboten. Nur einmal werden wir eine Ausnahme machen.
Langsam schiebt sich der Land Rover durch die Steppe, als Gudluck auf einmal noch oben zeigt und Schlange sagt. Er, das muss ich an dieser Stelle noch einmal erwähnen, gehört auch zum Stamm der Massai. Vielleicht ist es ein Vorurteil aber ich gehe fest davon aus, dass dieser Stamm eine andere Wahrnehmung als der Rest der Menschheit haben muss. Sowohl Isaiah, als auch Ashley und ich konnten die Schlange nicht sehen. Selbst als wir nach Aufforderung von Michael ausstiegen und nach oben blickten, konnten wir den perfekt getarnten Python nicht entdecken. Erst als Gudluck die einzelnen Äste durchzählte, sahen wir das knapp sechs Meter lange Ungetüm direkt über uns. Die Schlange schien sich an etwas sattgefressen zu haben. Der Körper war noch ein wenig unförmig. «Sie macht ihren Verdauungsschlaf», erläuterte Gudluck uns. Ich war offen gestanden froh, nach der Sichtung wieder im Auto zu sein.
Auf dem Weg durch die Wildnis fragte ich Isaiah ob Tansania denn ein Problem mit Wilderern habe. Das Land habe das recht gut in den Griff bekommen. Es gebe immer noch einzelne Fälle, die auch sehr traurig seien, aber das seien Einzelfälle. Während er das berichtet, kommen wir an einem alten Baum vorbei, der in der Mitte ein großes Loch aufweist. «Hier haben sich die Wilderer früher versteckt», berichtet Gudluck uns. Also schnell noch einmal raus und ein Foto gemacht, bevor wir uns auf den Weg zum Hotel machen.
Lesen Sie das nächste Mal über die Begegnung mit den Massai und unsere Übernachtung mitten in der Wildnis.