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Guntmar Wolff

Journalist

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Auf dem Rücken des Elefanten zum Kilimandscharo (5)

veröffentlicht am 11. Juli 2022 by Guntmar Wolff

In der Nacht in unse­rem ersten Camp, kann ich so gut wie gar nicht schla­fen, Ash­ley dage­gen ist schnell in Mor­pheus Armen ver­sun­ken. Zur Gei­ster­stun­de hal­len lau­te Schreie über das Pla­teau, die mich bis ins Mark erschüt­tern. «Affen», schießt es mir durch den Kopf, und kur­ze Zeit spä­ter sehe ich durch die Zelt­wand den Schat­ten der Tie­re, wie sie an unse­rem Platz vor­bei­lau­fen. Ich kom­me mir ein wenig vor, wie in dem Film «Pla­net der Affen». Ich gehe in Gedan­ken die Mög­lich­kei­ten der Ver­tei­di­gung durch, wenn die Pri­ma­ten ver­su­chen wür­den, den Reiß­ver­schluss des Zel­tes auf­zu­ma­chen. Im Nach­hin­ein betrach­tet, bin ich bei die­sen doch recht unsin­ni­gen Über­le­gun­gen wie­der ein­ge­schla­fen, wahr­schein­lich war mir auch ein­fach kei­ne gute Stra­te­gie ein­ge­fal­len.

Am näch­sten Mor­gen bin ich um fünf Uhr end­gül­tig hell­wach — auf Iso­ma­trat­zen zu schla­fen liegt mir nicht so sehr, ist eine der ersten Erkennt­nis­sen unse­rer Tour. Ich las­se Ash­ley noch ein wenig schla­fen und mache mich in der begin­nen­den Mor­gen­däm­me­rung auf den Weg durch das Camp. Nach ein paar Metern hal­te ich jedoch bereits inne. Ein gro­ßer Blau­af­fe sitzt nur zwei Meter ent­fernt von mir im Baum und schaut mich skep­tisch an. Aus dem Tal hal­len wei­te­re Rufe, die der Pri­mat beant­wor­tet, ohne mich aus den Augen zu las­sen.

Eini­ge Momen­te spä­ter scheint das Inter­es­se des Affen an mir jedoch erlo­schen zu sein und er ver­schwin­det behen­de, inner­halb von Sekun­den im Blät­ter­dach. Auch die Rufe aus dem Tal sind mitt­ler­wei­le ver­hallt, und so mache ich mich auf, Ash­ley zu wecken. Unser Kell­ner Inno­sence ist auch bereits auf­ge­wacht und bringt uns neben Tee auch Hafer­grüt­ze, Eier, Toast, Pfann­ku­chen und Früch­te. Bei mir hat­ten sich des Nachts bereits Bauch­schmer­zen ein­ge­stellt, dar­um bekom­me ich nur wenig run­ter, Ash­ley hin­ge­gen hat einen recht geseg­ne­ten Appe­tit.

Nach dem Früh­stück packen wir die Sachen zusam­men, wäh­rend San­ga einen kur­zen Gesund­heits­check macht. Vor allem der Sau­er­stoff­ge­halt ist ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um, ob es wei­ter­ge­hen darf oder nicht. Liegt er bei 60!, ord­nen die Gui­des den Rück­zug an. Für alle, die jetzt die Zahl ungläu­big zwei­mal lesen: Je höher man sich befin­det, umso stär­ker sinkt der Sau­er­stoff­ge­halt, mei­ner liegt heu­te bei 93, der von San­ga bei 88, also kann ich zufrie­den sein, Ash­leys Wert liegt sogar bei 94.

Der heu­ti­ge Tag soll nach San­gas Anga­ben der anstren­gend­ste wer­den. «Wir wer­den den Rücken des Ele­fan­ten bestei­gen», ver­rät er. Ash­ley und ich rea­li­sie­ren dabei, dass sich unse­re mona­te­lan­ge Vor­be­rei­tun­gen bezahlt gemacht haben, denn kei­ner von uns bei­den hat bis­her Mus­kel­ka­ter.

Nun geht es los. Auch heu­te ver­schlingt uns der Dschun­gel bereits nach weni­gen Metern. Mir berei­tet jedoch nach eini­ger Zeit jeder Schritt Bauch­schmer­zen, denn ich konn­te bereits seit zwei Tagen nicht mehr auf die Toi­let­te; ob es die Essens­um­stel­lung oder die Luft­ver­än­de­rung ist, kann ich nicht sagen.

Nach knapp einem Kilo­me­ter fängt der Dschun­gel sich an zu lich­ten, wir sehen den Him­mel, und auch die Vege­ta­ti­on ändert sich. In der Fer­ne erscheint ein lang­ge­zo­ge­ner Fel­sen­kamm, «der Rücken des Ele­fan­ten», erklärt San­ga. Und genau­so sieht die­ser Fel­sen­kamm aus. Zuerst geht es steil am Schwanz des Ele­fan­ten hin­auf zum Rücken, der sich dann nach noch ein­mal zum Kopf des Tie­res erhebt.

«Pole, pole», ermahnt uns Isaak, also «lang­sam, lamgsam». Wäh­rend wir uns nach oben quä­len, eine Stei­gung von knapp 90 Grad, die nur durch in den Stein gehaue­ne Trep­pen zu über­win­den ist, belohnt uns zwi­schen­durch die Anstren­gung immer wie­der mit atem­be­rau­ben­den Aus­sich­ten über den Urwald.

Bedingt durch den schlech­ten Schlaf und die anhal­ten­den Bauch­schmer­zen, muss ich heu­te Ash­ley häu­fi­ger bit­ten, gemein­sam mit mir eine kur­ze Pau­se ein­zu­le­gen. Die bei­den Gui­des ermah­nen uns zu trin­ken, was uns bei­den jedoch schwer­fällt. Fünf Stun­den soll­te die knapp acht Kilo­me­ter lan­ge Strecke dau­ern, wir sind nach vier Stun­den jedoch erst bei der Hälf­te ange­langt. «Pole, pole», ver­si­chern uns San­ga und Issak, es sei bes­ser lang­sa­mer, als zu schnell zu gehen.

Mitt­ler­wei­le haben wir den Kopf des Ele­fan­ten erreicht und sind auf knapp 3800 Metern Höhe, ein Anstieg also seit dem Mor­gen von über 1500 Metern. Die Gesprä­che wer­den zwi­schen uns mitt­ler­wei­le kür­zer und auch in Ash­leys Augen sehe ich, dass sie sich nur noch nach dem Ende des Tages sehnt, aller­dings kommt kei­ne Beschwer­de über ihre Lip­pen. Statt­des­sen hat sie Freu­de dar­an gefun­den, sich mit Dreck das Gesicht ein­zu­rei­ben, nach­dem San­ga ihr berich­tet hat, dass in der Nähe ein Volks­stamm lebt, der sich die Gesich­ter ein­färbt. Nach­dem er nun ihre Mar­kie­run­gen im Gesicht sieht, hat er die Idee eines neu­en Stamm­na­mens: «Kilia­sh».

Nach einer Bie­gung, es ist bereits 16 Uhr, kom­men uns unser Koch und unser Kell­ner ent­ge­gen, sie hat­ten uns im Camp bereits um die Mit­tags­zeit erwar­tet und das Essen zube­rei­tet. Frei nach dem Mot­to, wenn der Wan­de­rer nicht zum Koch kommt, muss die­ser eben zum Wan­de­rer eilen, haben die bei­den Tel­ler und Behäl­ter dabei, in denen das Mit­tag­essen auf uns war­tet.

Wir zögern nicht lan­ge und las­sen uns ein­fach an der Stel­le fal­len, an der wir sind. Von dem lecker zube­rei­te­ten Essen, Hühn­chen und Kar­tof­feln, schaf­fen wir bei­de, zur Ent­täu­schung des Kochs, zwar nur wenig. Die Pau­se aber tut uns gut.

Wir sind mitt­ler­wei­le in einer Höhe ange­kom­men, in der die Son­ne unbarm­her­zig brennt. Also schnell noch ein­mal uns bei­de ein­ge­cremt, und dann geht es wei­ter. Der Weg win­det sich, wäh­rend wir an einem Baum auf ein­mal in knapp zwei Meter Höhe einen Ter­mi­ten­bau ent­decken, auch krei­sen über uns zwei Adler. «So wie ich mich füh­le, könn­ten es auch Aas­gei­er sein», den­ke ich bei mir, wäh­rend ich ange­strengt nach vor­ne blicke. «In zwei Kilo­me­tern sind wir da», unter­bricht San­ga die Stil­le und deu­tet auf das Camp, das sich aus der offe­nen Moor­land­schaft, in der wir uns nun befin­den, empor­hebt.

Glück­li­cher­wei­se geht es nun auch ein wenig berg­ab, wir rut­schen sozu­sa­gen den Rüs­sel des Dick­häu­ters her­un­ter und kom­men erschöpft und mit Kopf- und Bauch­schmer­zen im Camp an. Auch wenn der Koch uns dar­um bit­tet, etwas zu essen, schaf­fen wir es nicht. Wir genie­ßen den maje­stä­ti­schen Anblick des Kili­man­dscha­ro­gip­fels an des­sen Fuß wir nun ange­kom­men sind, und schla­fen vor 19 Uhr bereits ein.

Category: Projekt Kilimandscharo

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  1. Heidi Peter zu Der Abschied: Von Kratern, Hyänen und zukünftigen Plänen22. Juli 2022

    Danke für die tollen Reiseberichte, alles Gute für euch lg heidi

  2. Bernd Bökenkamp zu Der Abschied: Von Kratern, Hyänen und zukünftigen Plänen21. Juli 2022

    Hallo ihr beiden. Ich hoffe ihr hattet eine wunderschöne Zeit und herliche Eindrücke. Danke auch für euren Reisebericht. Nun wünsche…

  3. Heidi Wulf zu Safari: Serengeti — Eine Übernachtung zwischen Raubtieren19. Juli 2022

    Absolut spannend, was ihr erlebt. Die Eindrücke werden euch noch Wochen und Monate begleiten. Da wird es dauern, bis man…

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