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Guntmar Wolff

Journalist

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Kilimandscharo: Sechs Kilometer zum Mkubwa Camp (4)

veröffentlicht am 9. Juli 2022 by Guntmar Wolff

Mit jedem Schritt, den wir uns wei­ter vom Lemo­s­ho Gate ent­fer­nen, ver­schlingt uns der undurch­dring­ba­re Dschun­gel. Links und rechts des klei­nen Pfa­des, den wir gehen, ist nach weni­gen Zen­ti­me­tern schon nichts mehr zu sehen; das Blät­ter­werk ist nach der Regen­zeit, die erst vor eini­gen Tagen ende­te, kom­plett dicht. Lia­nen hän­gen an den Ästen der Urwald­rie­sen her­un­ter; „Tar­zan” ruft San­ga mir zu und deu­tet auf die bis zum Boden hän­gen­den Zwei­ge.

Links von uns geht es steil berg­ab; wie weit und wie tief, lässt sich nur erah­nen. Sechs Kilo­me­ter lang soll der heu­ti­ge Marsch wer­den. Für Ash­ley und mich eigent­lich eine Klei­nig­keit, sind wir doch in den Mona­ten zuvor fast wöchent­lich eher zehn Kilo­me­ter und mehr gegan­gen. Nun mer­ken wir aber die Her­aus­for­de­rung. Erstens star­ten auf knapp 1100 Meter Höhe, im Ver­gleich dazu: August­dorf liegt auf 179 Meter über NN. Zwei­tens liegt der Anstieg bei 1500 Metern auf unse­rer ersten Tour. Die­se Höhen­un­ter­schie­de sind wir zwar gewohnt, aller­dings ging es bis­her eben auch auf unse­ren Rund­we­gen auch mal wie­der berg­ab, das ist heu­te nicht der Fall.

Auch die deut­li­che Luft­ver­än­de­rung spü­ren wir schon nach den ersten Schrit­ten, dazu kommt die Luft­feuch­tig­keit von fast 80 Pro­zent und knapp 30 Grad im Schat­ten — som­mer­li­che Tem­pe­ra­tu­ren mit­ten im Win­ter, der in Tan­sa­nia herrscht. „Wel­che gefähr­li­chen Tie­re gibt es denn hier”, fra­ge ich Isaak, der vor uns her­geht, wäh­rend San­ga das Schluss­licht bil­det. „Vor allem Schlan­gen”, ant­wor­tet mir die­ser.

Eine der häu­fig­sten Schlan­gen in Tan­sa­nia sei die Afri­ka­ni­sche Fel­sen­py­thon. Sie ist die größ­te der Pythons auf dem afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent und unter den größ­ten Schlan­gen der Welt. Fel­sen­py­thons kön­nen bis zu 4,5 Metern lang wer­den und bis zu 50 Kilo­gramm wie­gen. Sie gehört zu den Wür­ge­schlan­gen und erdrückt ihre Beu­te. Fel­sen­py­thons kön­nen gene­rell alles fres­sen, was klei­ner als sie selbst ist, zum Bei­spiel grö­ße­re Nage­tie­re, klei­ne Anti­lo­pen, Kro­ko­di­le, Pavia­ne und Affen. Gefähr­lich für uns könn­te jedoch die Puff­ot­ter wer­den, die hoch­gif­tig sei. „Des­halb: pole pole”, ergänzt Issak, also lang­sam, lang­sam, auf den Boden ach­ten und laut auf­tre­ten, dann wür­den die Schlan­gen durch die Erschüt­te­rung schon vor uns flie­hen.

Der Pfad win­det sich immer wei­ter in den Regen­wald hin­ein, als Isaak uns ein Zei­chen gibt, ste­hen zu blei­ben und lei­se zu sein. „Tum­bi­li” sagt er und deu­tet irgend­wo in den Regen­wald hin­ein. Unse­ren bei­den Füh­rern haben wir das Ver­spre­chen abge­nom­men, dass sie uns auf unse­rer Tour Swa­he­li bei­brin­gen, Tum­bi­li bedeu­tet Affe. Ich schaue ange­strengt in das Blät­ter­werk hin­ein, kann aber nichts fest­stel­len. Erst nach eini­gen Sekun­den sehe ich, wie sich die Blät­ter eines Urwald­rie­sen plötz­lich bewe­gen und den Blick auf den Affen frei­ge­ben, der es sich hoch auf dem Baum bequem gemacht hat: ein Blau­er Affe oder im Deut­schen auch Weiß­kehl­meer­kat­ze genannt. Genüss­lich scheint er dort eine Bana­ne zu ver­spei­sen und reagiert weder auf das Geräusch des Foto­ap­pa­ra­tes noch unse­re Gesprä­che. Da er unver­ständ­li­cher­wei­se nicht für ein Foto posie­ren will, geht es für uns wei­ter; zwei bis drei Stun­den hat unse­rer Orga­ni­sa­tor Micha­el Good­luck für den ersten Tag ein­ge­plant, aber glück­li­cher­wei­se heißt es für uns „pole pole”, da sich Isaak und San­ga mit ihrem Tem­po nach uns rich­ten.

Nach eini­ger Zeit hören wir ein lau­tes Kräch­zen über unse­ren Köp­fen — eine Krä­he, so groß wie ein Adler kreist über unse­ren Köp­fen. „Die sind klü­ger als sie­ben­jäh­ri­ge Kin­der”, merkt Isaak an. Die Krä­hen könn­ten But­ter­brot­do­sen öff­nen und sich blitz­schnell Din­ge mer­ken.

Weni­ge Zeit spä­ter und ein Blick auf die Uhr ver­rät mir, dass wir bald ankom­men müss­ten, da kom­men uns schon drei der Trä­ger ent­ge­gen: „Not­fall­team” rufen sie lachend auf Eng­lisch und neh­men Ash­leys und mei­nen Ruck­sack ab — nach einer klei­nen Erhe­bung öff­net sich ein Pla­teau im Dschun­gel — wir sind an der ersten Etap­pe ange­kom­men.

Der Ein­gang zum Camp ist durch ein gro­ßes Holz­schild ver­ziert auf dem neben dem Namen des Camps auch die Höhen­me­ter ste­hen, auf denen wir uns nun befin­den: 2650 Meter. Geschafft aber glück­lich gehen wir zu unse­rem durch die Trä­ger bereits auf­ge­bau­tem Zelt, und ich wür­de mich ger­ne direkt schla­fen legen. „Nein, nein”, erklärt mir Inno­sence, unser Kell­ner streng. Ich müs­se essen, um den näch­sten Tag zu über­ste­hen, denn die­ser wer­de der anst­re­gend­ste der Rei­se. Nach­dem er uns zwei Scha­len mit war­mem Was­ser bringt, damit wir uns frisch machen kön­nen, ser­viert er schon kur­ze Zeit spä­ter im Zelt hei­ße Gur­ken­sup­pe und als Haupt­spei­se Hühn­chen mit Kar­tof­feln und Gemü­se.

Nach­dem wir fer­tig sind, wol­len wir natür­lich auch die mensch­li­che Not­durft ver­rich­ten und ste­hen dann vor einer Baracke in deren Mit­te ein Loch klafft, aus dem es höl­lisch stinkt. Aber, das haben Ash­ley und ich schon im Vor­hin­ein bespro­chen, so eine Wan­de­rung bedeu­tet auch über Gren­zen zu gehen.

Nach­dem wir uns bett­fer­tig und uns in unse­ren Schlaf­säcken gemüt­lich gemacht haben, kommt noch ein­mal San­ga zu uns ans Zelt: „Passt auf Eure Sachen auf, denn die Affen kom­men des Nachts bis an die Zel­te und klau­en ger­ne” kün­digt er an. Dann wünscht er uns eine gute Nacht und wir schla­fen inner­halb weni­ger Sekun­den ein.

Wer uns in der kom­men­den Nacht gestört hat, und was wir am näch­sten Tag erle­ben, erfah­ren Sie im näch­sten Teil der Serie Kili­man­dscha­ro.

Category: Projekt Kilimandscharo

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  1. Heidi Peter zu Der Abschied: Von Kratern, Hyänen und zukünftigen Plänen22. Juli 2022

    Danke für die tollen Reiseberichte, alles Gute für euch lg heidi

  2. Bernd Bökenkamp zu Der Abschied: Von Kratern, Hyänen und zukünftigen Plänen21. Juli 2022

    Hallo ihr beiden. Ich hoffe ihr hattet eine wunderschöne Zeit und herliche Eindrücke. Danke auch für euren Reisebericht. Nun wünsche…

  3. Heidi Wulf zu Safari: Serengeti — Eine Übernachtung zwischen Raubtieren19. Juli 2022

    Absolut spannend, was ihr erlebt. Die Eindrücke werden euch noch Wochen und Monate begleiten. Da wird es dauern, bis man…

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