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Guntmar Wolff

Journalist

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Safari: Serengeti — Eine Übernachtung zwischen Raubtieren

veröffentlicht am 18. Juli 2022 by Guntmar Wolff

An unse­rem zwei­ten Safa­ri­tag geht es in die berühm­te Seren­ge­ti. Um dahin zu kom­men, muss man jedoch erst einen ande­ren Park durch­que­ren, der direkt an die Seren­ge­ti angrenzt — den Ngo­ron­go­ro Natio­nal­park.

Wie schon beschrie­ben, ist kei­ner der Parks mit Zäu­nen ein­ge­grenzt. Auch ver­lei­tet das Wort «Park» zu der irri­gen Annah­me, dass die Flä­che über­schau­bar ist. Das kom­plet­te Gegen­teil ist der Fall. Fährt man in den Ngo­ron­go­ro Park oder die Seren­ge­ti, ist bis zum Hori­zont nunr noch wei­te Flä­che. Über hun­dert Qua­drat­ki­lo­me­ter erstrecken sich die Flä­chen, dass sie sogar unter­schied­li­che Vege­ta­tio­nen auf­wei­sen. Wäh­rend es im Ngo­ron­go­ro Park teils dich­ter Dschun­gel ist, des­sen Boden durch viel Was­ser gespeist wird, herrscht in der Seren­ge­ti um die­se Jah­res­zeit — hier ist es Win­ter, Dür­re, denn die Regen­zeit hat vor zwei Mona­ten auf­ge­hört. Löwen, Ele­fan­ten, Gnu­her­den und Giraf­fen wan­dern von einem Ende des Parks bis zum näch­sten und legen dabei über hun­der­te Kilo­me­ter zurück, teils benö­ti­gen sie Wochen, um zu den saf­ti­gen Wei­den zu kom­men. Die Migra­ti­on der Gnus ist ein leben­di­ges Bei­spiel der Wei­te der Regi­on.

Über eine Ruckel­pi­ste geht es für uns heu­te also zuerst durch den Ngo­ron­go­ro Park. Die­ser ist auch gleich­zei­tig die Hei­mat der Mas­sai, eines alten Krie­ger­stam­mes, von dem ich in den näch­sten Tagen noch näher berich­ten wer­de. Soviel sei schon mal ver­ra­ten: Im kom­men­den Jahr wird uns nach unse­rer Kili­man­dscha­ro­be­stei­gung unser Gui­de Isai­ah zu einem Stam­mes­häupt­ling und einem Dorf füh­ren, die noch nie mit Tou­ri­sten Kon­takt hat­ten. Die­ser wird mir für eine Repor­ta­ge zur Ver­fü­gung ste­hen und wir wer­den zwei Tage mit die­sem ver­brin­gen.

Zurück aber zu unse­rer Fahrt. Auf dem Weg durch den Park sehen wir immer wie­der plötz­lich Mas­sa­i­kin­der aus den Büschen ans Auto sprin­gen. Dabei deu­ten sie immer wie­der auf ihren Mund und bit­ten um Essen.

Es gibt erfreu­li­che­re Din­ge, als einen Plat­ten in der Step­pe zu haben.

Nach­dem uns Isai­ah sicher durch die Wei­ten Afri­kas gebracht hat, bremst er plötz­lich abrupt ab und fährt an die Sei­te; ein geplatz­ter Rei­fen in der Wild­nis, und um uns her­um nichts als Step­pe; nur in der Fer­ne sehe ich am Hori­zont ver­schwom­men zwei Punk­te, die sich uns nähern. Wäh­rend Isai­ah den Wagen­he­ber aus dem Auto holt und erst ein­mal an die­sem ver­zwei­felt, stei­gen Ash­ley und ich eben­falls aus und schau­en uns um. Jetzt mag sich manch einer fra­gen, war­um wir nicht hel­fen. Der Grund ist rela­tiv ein­fach: In Tan­sa­nia ist es bei Tou­ren und in Hotels üblich, dass die Gäste nichts tra­gen und nicht mit anfas­sen. Möch­te man das doch tun, kann es als Belei­di­gung auf­ge­fasst wer­den; auch das muss­ten wir erst ein­mal ler­nen.

Isai­ah ent­schul­digt sich mehr­fach für den plat­ten Rei­fen, dabei genie­ßen wir die Aus­sicht. Aller­dings macht er uns auch deut­lich, soll­ten wir uns nicht zu weit ent­fer­nen, da sich im hohen Gras, Löwen Gepar­den oder Schlan­gen ver­ber­gen könn­ten. Die bei­den Punk­te sind mitt­ler­wei­le immer grö­ßer gewor­den — zwei Mas­sa­i­kin­der hat­ten uns aus meh­re­ren Kilo­me­tern ent­deckt und ste­hen nun vor uns. Die bei­den beäu­gen Isai­ah, der eben­falls ein Mas­sai ist genau und unter­hal­ten sich mit ihm. Den Wort­fet­zen aus Kis­wa­he­li kann ich ent­neh­men, dass sie um Brot bit­ten. Ash­ley und ich gehen zum Auto und bie­ten den bei­den unse­re Mit­tag­bo­xen an, wel­che die bei­den freu­dig lächelnd mit einem «Asan­te sana» auf­ma­chen und ver­spei­sen. Ich habe noch nie jeman­den mit soviel Begei­ste­rung eine Bana­ne, ein Brot und einen Apfel essen sehen.

In der Seren­ge­ti erin­nert nicht nur das Tor an Bern­hard Grzimek.

Nach­dem Isai­ah den Rei­fen gewech­selt hat, geht es nun unter der freu­di­gen Ver­ab­schie­dung der bei­den Mas­sai wei­ter. Nach wei­te­ren end­lo­sen Kilo­me­tern gelan­gen wir an eine Tor­durch­fahrt, bei der deut­lich wird, dass wir uns nun in der Seren­ge­tio befin­den. Neben dem Tor­bo­gen sind die berühm­ten Wor­te Bern­hard Grzimeks ein­gra­viert: «Seren­ge­ti shall not die» — die Seren­ge­ti darf nicht ster­ben.

Isai­ah berich­tet uns davon, dass jeder, der irgend­et­was mit Tou­ris­mus macht, ob als Gui­de, Fah­rer oder sonst etwas, mit Grzimek in Berüh­rung kommt. Ihm ist in der Mit­te der Seren­ge­ti sogar ein Mus­se­um gewid­met.

Nun haben wir noch drei Stun­den Zeit, bevor wir in unse­re Unter­kunft kom­men — ein Zelt mit­ten in der Seren­ge­ti. Wir machen das Ver­deck des Ran­ge Rovers auf und hal­ten gespannt Aus­schau. Und wir müs­sen gar nicht lan­ge war­ten, hin­ter einem Hügel kom­men sie schon her­vor — eine vier­köp­fi­ge Ele­fan­ten­fa­mi­lie. Wäh­rend die Mut­ter vor­an geht, kön­nen sich die bei­den Klei­nen in der Mit­te in Sicher­heit wie­gen, wäh­rend der stol­ze Ele­fan­ten­bul­le gemäch­lich und doch wach­sam hin­ter­her­schrei­tet.

Der Schä­del eines Büf­fels am Weges­rand erin­nert uns dar­an, dass wir nicht in einem Zoo sind, son­dern im Reicvh der Tie­re — die­ses hier ist ihr Revier, wir dür­fen ledig­lich die Wege nut­zen und sie zu Gesicht bekom­men, wenn sie es denn wün­schen.

Nur ein paar Meter wei­ter ver­sperrt uns nun eine Pavi­an­her­de den Weg. Min­de­stens zwan­zig Tie­re zäh­le ich, die sich ganz ruhig die Läu­se aus dem Fell zie­hen und uns gar nicht beach­ten. Ein Klei­nes hängt unter dem Bauch der Mut­ter und träumt vor sich hin, als plätz­lich ein gel­len­der Schrei eines der Tie­re die Stil­le durch­bricht. «Hier müs­sen Löwen in der Nähe sein», erklärt uns Isai­ah, wäh­rend er ange­strengt in das hohe Gras schaut. Die Affen haben sich nach dem Schrei blitz­schnell auf die vor­han­de­nen Bäu­me zurück­ge­zo­gen, was uns die Mög­lich­keit gibt wei­ter­zu­fah­ren.

Fluss­pfer­de kön­nen sicher schnel­ler bewe­gen, als man es ver­mu­ten mag.

Auf dem Weg zu unse­rem Schlaf­platz kom­men wir an einem Fluß­bett vor­bei, in dem zahl­rei­che Fluß­pfer­de ein Bad neh­men. Wenn man sich die Tie­re so anschaut, die so fried­lich vor sich hin­zu­dö­sen, ver­gisst man leicht, wie aggres­siv die Vier­bei­ner sein kön­nen und zu den gefähr­lich­sten Tie­ren gehö­ren, die auch vor Löwen oder Kro­ko­di­len nicht halt machen, soll­ten sie sich gestört füh­len.

Die Son­ne sengt sich lang­sam über die Seren­ge­ti und Isai­ah fin­det, anch eini­gem Suchen und Schleich­we­gen unse­re Lodge. Die­se besteht aus vier Zel­ten, in denen jeweils die Gäste unter­ge­bracht sind und einem Gemein­schafts­zelt, in dem zusam­men geges­sen wird. Ash­ley und ich haben ein Zelt für uns allei­ne. Nach­dem wir es genau inspi­zie­ren bleibt uns doch die Spucke weg. Neben einem Him­mel­bett mit einer luxu­riö­sen Matrat­ze, ist es auch mit einer rich­ti­gen Toi­let­te und einer Dusche aus­ge­stat­tet. Sogar auf W‑Lan müs­sen wir nicht ver­zich­ten. Die Lodge ist trotz­dem mobil und schlägt ihre Zel­te dort auf, woher die Gnus wan­dern. Wer sich einen Ein­blick von der Lodge machen kann, kann das hier tun.

Dort ange­kom­men, wer­den wir mit war­men, gerö­ste­ten Erd­nüs­sen emp­fan­gen und einem war­men, feuch­ten Wasch­lap­pen. Eigent­lich will man uns nun unser Zelt zei­gen. Wir sind aber so begei­stert, dass wir erst ein­mal vor dem Gemein­schafts­zelt sit­zen blei­ben und die Aus­sicht genie­ßen.

Nach einer Dusche und dem Abend­essen (es gibt Pfef­fer­steak, dazu geschnit­te­ne Avo­ca­dos, Gemü­se und Kraut­sa­lat) gehen wir zurück in unser Zelt. Wäh­rend ich noch an den Arti­keln für den kom­men­den Tag sit­ze, sehe ich den Strahl einer Taschen­lam­pe vor unse­rem Zelt. Ich gehe raus und ler­ne Aban­te ken­nen, einen Mas­sai, der für die Bewa­chung der Gäste ver­ant­wort­lich ist. Uner­müd­lich wird er die gan­ze Nacht über zwi­schen den Zel­ten hin- und her­ge­hen und nach Löwen Aus­schau hal­ten. Und wäh­rend ich ihn auf einem Rund­gang beglei­te, und er mir die­ses in gebro­che­nem Eng­lisch erläu­tert, höre ich bereits das Gebrüll des Raub­tie­res.

Aban­te erklärt mir, dass ganz in der Nähe eine Fluss sei und die Löwen immer wie­der bis direkt an die Zel­te kämen. Er ver­spricht mir, dass wenn er einen des Nachts sieht, er mich auf­weckt. Auf die Fra­ge, wie er die­sen denn dann ver­trei­ben wol­le, ent­geg­net er lächelnd: «Mit mei­ner Taschen­lam­pe und lau­tem Geschrei.» Nicht umsonst sagt man den Mas­sai absol­te Furcht­lo­sig­keit nach.

Ich gehe zurück in unser Zelt, schrei­be noch ein wenig und gehe dann ins Bett, wäh­rend ich alle paar Minu­ten die Löwen brül­len höre.

Category: Tansania

1 thought on “Safari: Serengeti — Eine Übernachtung zwischen Raubtieren”

  1. Heidi Wulf sagt:
    19. Juli 2022 um 14:54 Uhr

    Abso­lut span­nend, was ihr erlebt. Die Ein­drücke wer­den euch noch Wochen und Mona­te beglei­ten.
    Da wird es dau­ern, bis man in den All­tag zurück­fin­det. Unver­gess­lich…
    Lie­be Grüs­se Hei­di und Her­bert Wulf

    Antworten

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  1. Heidi Peter zu Der Abschied: Von Kratern, Hyänen und zukünftigen Plänen22. Juli 2022

    Danke für die tollen Reiseberichte, alles Gute für euch lg heidi

  2. Bernd Bökenkamp zu Der Abschied: Von Kratern, Hyänen und zukünftigen Plänen21. Juli 2022

    Hallo ihr beiden. Ich hoffe ihr hattet eine wunderschöne Zeit und herliche Eindrücke. Danke auch für euren Reisebericht. Nun wünsche…

  3. Heidi Wulf zu Safari: Serengeti — Eine Übernachtung zwischen Raubtieren19. Juli 2022

    Absolut spannend, was ihr erlebt. Die Eindrücke werden euch noch Wochen und Monate begleiten. Da wird es dauern, bis man…

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